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Mo, 09:41 Uhr
19.02.2018
Anklage erhoben

Wollte wissen, wie es ist einen Menschen zu töten

Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen hat gegen einen 15-jährigen Jugendlichen aus Nordthüringen Anklage wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung zu der Jugendkammer des Landgerichts Mühlhausen erhoben...


Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 11. September vergangenen Jahres seinen Mitschüler in der Klosterschule in Roßleben mit einem circa 20 cm langen Küchenmesser angegriffen zu haben, um ihn zu töten.

Der Angeklagte, der sich bereits am Vorabend zu der Tat entschlossen haben soll, nahm am Tattag ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von circa 20 cm Länge mit in die Schule. Nach der achten Schulstunde nahm er das Messer aus seiner Schultasche, trat hinter sein Opfer, drückte dessen Kopf mit dem linken Unterarm nach vorne und stach mit dem Messer mindestens fünfmal von hinten auf den Rücken des Geschädigten ein, um ihn zu töten.

Als die Klinge des Messers abbrach soll er noch dreimal mit der Faust in das Gesicht des Geschädigten geschlagen und sodann von ihm abgelassen haben. Der verletzte Junge erlitt schwerste Stichverletzungen im Brustbereich. Infolge einer inkompletten Querschnittslähmung wird er Zeit seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt bleiben.

Der Angeklagte hat sich wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung zu verantworten. Er ist bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten und befindet sich seit seiner vorläufigen Festnahme am 11.09.2017 in Untersuchungshaft. Anhaltspunkte dafür, dass seine Schuldfähigkeit erheblich eingeschränkt oder gar aufgehoben war, haben sich bislang nicht ergeben.

Der Angeklagte ist geständig. Zu seinem Motiv hat er erklärt, dass er seinen Mitschüler umbringen wollte, weil es ihn interessierte, wie es sich anfühlt, einen Menschen zu erstechen und zuzuschauen wie er stirbt.
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Kommentare

20.02.2018, 11.22 Uhr
Conni1961 | Ab ins Gefängnis
Wer einen Menschen mit Vorsatz töten will ,gehört bis zu seinem Lebensende hinter Gitter.
Er sollte nach Erwachsenenrecht verurteilt werden und lebenslang mit anschließender Sicherheitsverwahrung weggesperrt werden.
Die Urteile die vom Gericht gefällt werden sind meist für solche kriminelle Gestalten viel zu human.
20.02.2018, 12.38 Uhr
Wolfi65 | Wie kommt man hier zu dem Schluss....
Dass ein Mörder unbedingt für den Rest seines Lebens in die Zelle gehört? Der kann doch der Gesellschaft noch grossen Nutzen bringen. Viele Möglichkeiten, welche man hier alle gar nicht aufzählen kann, ohne sich gleich Strafrechtlicher Verfolgung auszusetzen.
21.02.2018, 06.04 Uhr
Hubert0815 | Wenn das ein Asylbewerber gewesen wäre...
...dann hätte Wolfi65 das mit Sicherheit nicht geschrieben. Diese Bestie gehört in den knast und bei dem Motiv sogar lebenslänglich (und damit meine ich den Rest seines Lebens)
21.02.2018, 12.53 Uhr
Mueller13 | @ Hubert0815
Das ist vermutlich Ironie von Wolfi65 (obwohl ich mir da auch nicht so sicher bin). Außerdem gibt es ja wirklich noch nützliche Einsatzgebiete. In Tschernobyl gab es z.B. die Liquidatoren...
21.02.2018, 18.38 Uhr
Spätzlevernichter | @Müller13....danke
habe laut gelacht.... nicht das erste Mal über ein Statement von Ihnen, aber diesmal herzlich.

Ich denke es findet tatsächlich eine Verrohung bei jungen Menschen statt.... häufig zum Glück nur verbal ...

Ich bin überzeugt, dass immer realitätsnähere ego-shooter und sonstige Kampfspiele an PC und Konsole ihren Anteil daran haben.
22.02.2018, 14.56 Uhr
Joerg B. | Vom Voyeur zum Täter?
Schon bei Geschwisterkindern kann es zuweilen vorkommen, das das eine dem anderen an die Gurgel geht, weil sie sich um einen Gegenstand streiten. Meistens passiert dabei nichts wirklich Gefährliches, denn es liegt keine bewusste Mordabsicht vor und in der Regel sind Aufsichtspersonen in der Nähe. (Dabei bin ich selbst einmal Zeuge geworden. Die Mutter war aber ganz in der Nähe und hat selbst schockiert sofort eingegriffen.) Tötung „aus niederen Motiven“ gibt es wohl erst auf einer höheren psychischen Entwicklungsstufe?

Als spätere Kulturwesen haben wir zumindest die Grundregel (auch Goldene Regel genannt) gelernt: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Auch der körperlich überlegenste Schulhofschläger lernt sie spätestens dann, wenn er im Knast landet und dort seine Meister findet.

Gern wird den Medien eine Mit- oder häufig die Hauptschuld an der Gewalt in der Gesellschaft gegeben. Doch 99,99 Prozent der Nutzer können zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. (Bei illegalen Autorennen sind es wohl weniger?) Das bedeutet aber auch, dass es einer von Zehntausend eben nicht kann. Da kann es schon mal passieren, dass er dem Verlangen nach einem Tabubruch nicht widerstehen kann und sich sagt: „Ich wollte schon immer wissen, wie es ist, SELBST einen Menschen zu töten.“ Also auch wieder „Menschliches, Allzumenschliches“ eben nur die dunkle Seite des nächsten Verwandten des wilden Schimpansen.

Wer als Therapie nützliche Einsatzgebiete wie z.B. in Tschernobyl vorschlägt, sollte aber mal ganz tief ins Innere seiner eigenen Seele hinabsteigen und mal gründlich über diese schöne Erkenntnis nachdenken:

“Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, daß er nicht dabei [SELBST] zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Es gibt da ein schönes dickes Buch von Steven Pinker, einem US-amerikanisch-kanadischen Experimentalpsychologen und Kognitionswissenschaftler:
„Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit“ (Googeln!) Ich zitiere mal aus der deutschen Übersetzung von Seite 714:

[] Haben Sie sich in Ihrer Phantasie schon einmal ausgemalt, Sie würden jemanden umbringen, den Sie nicht mögen? Diese Frage stellten die Psychologen Douglas Kenrick und David Buss in getrennten Studien einer demographischen Gruppe, die für ihre besonders niedrige Gewaltquote bekannt ist, nämlich Universitätsstudenten. Über das Ergebnis waren sie verblüfft. Zwischen 70 und 90 Prozent der Männer sowie 50 bis 80 Prozent der Frauen räumten ein, sie hätten im vergangenen Jahr mindestens einmal eine Mordphantasie gehabt. Als ich in einer Vorlesung über diese Studien berichtete, rief ein Student: „Ja, und die anderen lügen!“ Zumindest empfinden sie vielleicht Sympathie für Clarence Darrow, der einmal sagte: „Ich habe nie einen Menschen umgebracht, aber ich habe viele Nachrufe mit großem Vergnügen gelesen.“
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